Störungen des Herzrhythmus können Betroffene nicht nur quälen, sondern ihnen auch gefährlich werden. Bestimmte Formen bergen die Gefahr eines plötzlichen Herztods, andere können einen Schlaganfall verursachen. Wenn Medikamente versagen, setzen Ärzte deshalb zunehmend auf die Behandlung mit einem Elektrodenkatheter, um die Fehlströme im Pumporgan abzustellen. Dazu veröden sie die aus der Reihe tanzenden Zellen oder isolieren die gesamte Störregion vom restlichen Herzmuskel.
Nicht immer hat diese „Ablation“ genannte Therapie bleibenden Erfolg, zum Beispiel bei der häufigsten Form einer Herzrhythmusstörung, dem sogenannten Vorhofflimmern. „Fast jeder zweite Patient braucht nach der ersten Sitzung wieder Medikamente oder eine erneute Ablation“, erklärt Professor Thorsten Lewalter, Direktor der Klinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin am Isar Herz Zentrum in München.
Viele Forscher versuchen dieses Dilemma zu beheben, um den Patienten einen zweiten oder dritten Eingriff zu ersparen. Das Konzept einer Würzburger Gruppe beruht zum Beispiel darauf, die Bildqualität eines Magnetresonanz-Tomografen (MRT) zu nutzen, um die Ablationselektrode präziser zu platzieren. „Bei den Narben, die wir setzen, muss man wissen, wie weit sie sich ausdehnen und wie tief sie eindringen“, erklärt Professor Oliver Ritter, Oberarzt an der Medizinischen Klinik I, wovon der Erfolg einer Verödung abhängt.
Auf dem Röntgenbild, das sonst bei Katheterbehandlungen eingesetzt wird, ist der Herzmuskel deutlich schlechter zu erkennen als bei der MRT. „Mit dieser ist außerdem keine Strahlenbelastung verbunden“, nennt Professor Meinrad Beer, leitender Oberarzt des Instituts für Röntgendiagnostik, einen positiven Nebeneffekt.
Das MRT-Konzept hat allerdings einen entscheidenden Haken: Weil das früher auch Kernspintomograf genannte Gerät ein starkes Magnetfeld erzeugt, können Ablationskatheter aus den üblichen Materialien nicht eingesetzt werden. Die Forscher haben daher zusammen mit Wissenschaftlern aus Erlangen und Essen sowie einer auf diesem Sektor tätigen deutschen Firma einen Katheter aus nicht magnetischen Substanzen entwickelt. Diesen setzten sie inzwischen bei zwei Patienten ein, bei denen die vorherigen Behandlungen erfolglos waren. Nun stehen die Vorarbeiten für eine Zulassungsstudie an, in der die Würzburger Kardiologen den Erfolg und die Komplikationsraten bei Kranken, die in der MRT-Röhre therapiert wurden, mit den Ergebnissen bei herkömmlich behandelten Patienten vergleichen. Unabhängig vom Ausgang der Studie dämpft Ritter schon einmal die Euphorie: „Diese Methode wird sicher nicht so rasch eine Sache für die Alltagsroutine und kann allenfalls von einigen spezialisierten Zentren angeboten werden.“
Auch Professor Gerhard Hindricks, Leiter der Abteilung Elektrophysiologie am Herzzentrum Leipzig, hat mit einem Unternehmen aus den USA einen neuen Katheter entwickelt und inzwischen fünf Patienten damit behandelt. Dennoch bleibt er skeptisch: „In den nächsten fünf Jahren wird das sicher keine Rolle spielen, langfristig vielleicht schon.“ Einen großen Nachteil des Verfahrens sieht er darin, dass im MRT-Bild die Herzwände zwar besser zu sehen sind, das Arbeitsinstrument aber schlechter. „Es ist im Moment noch nicht erkennbar, ob dieses Vorgehen für den Patienten und den Arzt vorteilhafter ist als der Standard“, urteilt Hindricks, „von den Kosten einmal ganz abgesehen.“
„Es ist ein interessanter Ansatz, bei dem aber auch viele Klippen zu überwinden sind“, meint Thorsten Lewalter. Man müsse jetzt erst einmal abwarten, wie das Verfahren im direkten Vergleich abschneide – ob die Erfolgsrate höher sei und wie häufig Komplikationen aufträten. Es gebe viele verschiedene Versuche, die Erfolgsquote von Ablationsbehandlungen zu steigern, berichtet er. „Aber die Erfahrung zeigt, dass man viele Frösche küssen muss, bis sich einer in einen Prinzen verwandelt.“
Dr. Reinhard Door / Apotheken Umschau;
30.01.2012
Bildnachweis: W&B/Angie Wolf
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